Wahrscheinlich hat jeder von uns schon einmal neugierig in einen Behälter oder einen öffentlichen Mülleimer geschaut, so wie man im Restaurant einen Blick auf das Essen am Nachbartisch oder auf dem Balkon des Nachbarn wirft. Menschen werfen alle möglichen Dinge weg, und deshalb ist Müll ein materielles Spiegelbild unserer Gesellschaft, unserer Lebens- und Konsumgewohnheiten. Wer unsere Zivilisation erforscht, wird seinen Blick unweigerlich auf den Müll richten. Auch Petra schlüpft in die Rolle einer solchen Detektiv-Archäologin. Ihre Gemälde erinnern an die klassische Übung, willkürliche, abstrakte Formen zu zeichnen, wie etwa zerknülltes Papier oder Leonardos Versuche, Wolken grafisch darzustellen. In diesem Fall übt diese präzise Darstellung des Chaos, in dem wir uns befinden, subtile Kritik daran – durch die Ironie seiner eigenen Ästhetisierung. In dieser künstlerischen Sprache erscheint Müll als formlose, amorphe Masse, als ein Volumen überflüssiger und unpersönlicher Materie, die ihre Bedeutung verloren hat. Denken wir nur einmal daran, wie wertvoll ein Paar Scheren, ein Kochtopf, ein Radio oder eine Jeans früher waren, ganz anders als heute.
Alexander Gabrovsky


