Was ich heute mit Ihnen teilen möchte,
ist eine Art persönliche Zusammenfassung all
dessen, was ich bisher mit und durch die Gemälde von Veselin Nachev gesehen und
erlebt habe.
Ob wir sie heute sehen oder gestern gesehen haben, die Leinwände sind eine wahre
Fundgrube des Sichtbaren und Unsichtbaren,
der Erinnerungen, der Zustände mit und
ohne Zukunft, der lakonischen Offenbarungen eines Augenblicks, eines schicksalhaften
Augenblicks.
Veselin Nachev führt uns über das Bekannte und Erwartete hinaus, die Fragen bleiben
unbeantwortet, er ist jeglicher formalen Vollkommenheit völlig entzogen.
Das psychologische Drama schreit nicht, es verbleibt in seiner subtilen Zartheit, deren
weitreichende Wirkung zu tiefem Nachdenken und differenzierten Reaktionen anregt.
Der emotionale Eindruck, der in der Charakterisierung des Umfelds der Figuren
hinterlassen wird, besitzt ein starkes dramaturgisches Konzept und einen tiefen Kontext.
Der ausdrucksstarke Pinselstrich, die Farbwahl, der Farbauftrag sind eine absolut
figurative und bedeutungsvolle Andeutung und Ergänzung.
Für mich persönlich liegt die größte Stärke in Nachevs Werk in der feinfühligen,
tiefgründigen Erzählung. Selbst in Momenten höchster Dramatik beendet er seine
Erzählung nicht, sondern bleibt Beobachter.
Vesselin Nachev deutet an, er legt uns nahe, er fragt uns oder sagt uns: „Ich auch“, „Ich
war auch dort“, wie in dem gleichnamigen Gemälde.
Die Faszination seiner Werke liegt nicht nur in der Dramatik des Augenblicks, sondern
auch darin, das Geheimnis der Seele in seiner
Tiefe zu erfassen, übersetzt in Farbe, Form,
Raum und vor allem in der unendlichen Finesse,
dem präzisen künstlerischen Ausdruck
und der lakonischen Geste.


